Versteckes Rom – Abseits der Trampelwege: Tipps einer Rom-Expertin

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Aussicht auf Rom

Wir kennen die Hauptstadt Italiens als die Ewige Stadt Rom. Jedes Jahr finden viele tausende von Touristen die Wege zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Aber was ist mit den Sehenswürdigkeiten, die kaum einer kennt? Die echten Insider Tipps? Die Orte an denen sich wenige Touristen tummeln und die meistens nur die Einheimischen kennen? Diese Orte kennt Annett vom Blog "Die Deutsche Römerin". Sie lebt seit vielen Jahren in Rom und kennt die Orte abseits der Touristenpfade.

 

Die Highlights in Rom wie das Kolosseum, das Pantheon und der Trevibrunnen sind leicht zu finden. Sie sind eigentlich kaum zu übersehen, denn a) tummeln sich um diese Sehenswürdigkeiten viele Besucher und b) sind sie in der gesamten Stadt mit vielen Wegweisern beschildert. Neben diesen Top-Sehenswürdigkeiten gibt es in der Ewigen Stadt natürlich auch unzählige versteckte Schätze. Damit du auch diese findet, werde ich dir ausgewählte „hidden Highlights“ im Folgenden näher vorstellen.

Die Pyramide und der Protestantische Friedhof

In Rom gibt es tatsächlich eine Pyramide. Genauso eine, wie man sie in Ägypten erwarten würde. Sie ist das Grab des römischen Prätors Gaius Cestius und wurde nach seinem Tod (im ersten Jahrhundert n. chr.) von seinen Söhnen in Auftrag gegeben. Gaius Cestius hinterließ nämlich ein Testament, laut welchem seine Nachfolger nur dann von seinem Reichtum erben, wenn sie ihm innerhalb von 333 Tagen eine Pyramide als Grab bauen würden. Das haben sich die Söhne nicht zweimal sagen lassen und eine solche errichten lassen. Der Grund, warum sich diese heute nach wie vor an ihrer ursprünglichen Stelle befindet, ist kein anderer, als dass sie im 3. Jahrhundert in die Aurelianische Stadtmauer integriert wurde.

 

Hinter der Pyramide – und hinter der Stadtmauer – befindet sich gleich eine zweite versteckte Sehenswürdigkeit: der protestantische Friedhof Cimitero Acattolico. Dieser ist im 18. Jahrhundert für Nicht-Katholiken und Ausländer, wie Deutsche und Engländer, entstanden. Die Grabsteine sind beeindruckend dekoriert und detailliert gestaltet. In einem dieser Gräber ruht August von Goethe, der Sohn des Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Der Friedhof ist wunderschön, der Eintritt kostenlos und dennoch wird er kaum besucht.

Das Stadtviertel Testaccio und der 8. Hügel Roms

Nicht unweit von der Cestius Pyramide befindet sich das bei den jungen Einheimischen immer beliebter werdende Stadtviertel Testaccio. Dieses war in der Antike eigentlich so etwas wie eine Müllhalde. So wurde nämlich aus der Hafenstadt Ostia Ware (wie Getreide oder Öl) in Amphoren mit Schiffen über den Fluss Tiber nach Rom gebracht. Diese Tongefäße wurden in großen Speicher gelagert und die Produkte weiterarbeitet oder verkauft. Da der Römer aber schon in der Antike ein hygienebewusster Mensch war, ließ er die entleerten Amphoren entsprechend entsorgen. Daraus ist schließlich ein Berg aus Tonscherben entstanden, den man auch heute noch sehr gut erkennen kann.

 

Am Fuße dieses Hügels befinden sich heute einige Bars und Restaurants, deren Innenräume durch die Ton-Überreste auf natürliche Art abgekühlt werden. Das erweist sich vor allem an heißen Sommertagen als sehr beliebt. :-) Testaccio war auch ein Arbeiterviertel und Heimat einer riesigen Metzgerei. Heute treffen sich in diesem römischen Stadtviertel Jung und Alt. Am zentralen Mercato wird neben frischem Obst und Gemüse auch Fisch, Fleisch und Pasta verkauft. Und wer durch die Straßen Testaccios spaziert, wird immer wieder auf Street-Art treffen und erkennen, dass Rom für verschiedene Künstler ein Zuhause war und ist.

Der Aventin-Hügel und das Geheimnis des Orangengartens

Rom wurde, wie allseits bekannt, auf sieben Hügeln erbaut. Laut der Gründungslegende hätten sich die Zwillingsbrüder Romulus und Remus gestritten, wer auf welchem Hügel, die ersten Stadtmauern bauen durfte. Romulus wollte auf dem Palatin bauen, Remus am Aventin. Gewonnen hat Romulus und wurde der erste König Roms. Der Aventin war nichtsdestotrotz wichtig für die römische Geschichte und Entwicklung. Wer heute auf den Aventin - Hügel geht, wird merken, dass es hier schön ruhig ist, denn es gibt keine Linienbusse, keine Shops und keine Restaurants, die für Trubel oder Lärm sorgen könnten. Der Hügel ist Heimat vieler wohlhabender Römer und sehenswerter Kirchen.

 

Neben der Kirche Santi Bonifacio e Alessio ist auch die Santa Sabina einen Besuch wert. Wer diese besichtigt, sollte unbedingt nach einem Loch in der Mauer Ausschau halten. Durch dieses sieht man nämlich einen Orangenbaum, der an der Stelle steht, an der der erste Orangenbaum in Rom geblüht haben soll. Es wäre der heilige Dominiks im 12. Jahrhundert gewesen, der diese Frucht als erster gepflanzt hätte. Später ist daraus dann ein ganzer Garten entstanden. Wer heute in diesem Orangengarten ist, wird mehr als nur Orangen bewundern. Von dort hat man einen wundervollen Blick über die Dächer Roms. Zudem verbirgt sich auch eine Überraschung, wenn man zur Kuppel des Petersdom blickt. Diese wirkt aufgrund einer optischen Täuschung viel größer und näher, als sie es tatsächlich ist.

Der Mund der Wahrheit und eine Kirche mit sehenswerter Krypta

Wer den Film „Vacanze Romane“ (deutscher Filmtitel: „Ein Herz und eine Krone“) nicht gesehen hat, der sollte es vor seinem Rombesuch unbedingt nachholen. In diesem fahren Audrey Hepburn und Gregory Peck durch die Ewige Stadt, vorbei an den berühmtesten Sehenswürdigkeiten. Unter anderem besuchen sie den „bocca della verità“, dem Mund der Wahrheit und machen den „Lügentest“. So spricht eine römische Legende davon, dass jedem, der seine Hand in das Maul, die Öffnung der Steinplatte streckt und eine Lüge von sich gibt, in seine Hand gebissen wird. Die Warteschlangen für diesen Lügentest sind oft unglaublich lange.

 

Wer nicht warten will, aber ein anderes verstecktes Highlight sehen möchte, der braucht nur die Kirche Santa Maria in Cosmedin besuchen. Wo sich heute eine Basilika befindet, haben sich in der frühen Antike drei Tempel befunden, die Herkules geweiht waren. Einer der Tempel wurde später umgebaut und kann heute als dreischiffige Krypta mit Spolien Säulen besichtigt werden. Beeindruckend ist auch der sogenannte Kosmaten-Fußboden der Kirche. Im 12. Jahrhundert habt eine Künstlergruppe den Boden mit Marmor dekoriert. Das Ergebnis ist wunderschön und kann sich sehen lassen.

Kulinarische Highlights mit Gelato und Aperitivo

Für diejenigen, die Rom gerne auch kulinarisch erkunden wollen, sind die Eisdielen „La Romana“ in der Via Ostiense 48 und die „Brivido Gelateria“ in der Via Giovanni Battista Bodoni 62 echte Insider-Tipps. Das Eis dort schmeckt so hervorragend, dass man nie wieder anderes Gelato essen möchte. Das wissen auch die Einheimischen zu schätzen, weswegen diese im Sommer auch Warteschlangen in Kauf nehmen.

 

Und all jene, die es lieber herzhaft als süß mögen, sind in der Via Aventino (am Fuße des Aventins, in der Nähe des Circo Massimo) richtig. Dort befindet sich unter anderem das „MAX Roma Café“, das zum Aperol Spritz oder zum Glas Wein, viel mehr als nur Nüsse oder Chips serviert. Gäste können sich an einem Buffet aus Pizzaecken, Nudel- und Reisgerichte bedienen und sich kulinarisch verwöhnen.

 

Die Liste der Sehenswürdigkeiten in Rom ist zum Glück lang, sodass man selbst bei Wiederholten Rom-Aufenthalten neue Schätze erkunden kann.


Fazit: Vielen Dank liebe Anette für deinen Gastartikel! Bei meiner nächsten Rom Reise werde ich diese Orte ganz bestimmt erkunden. Ich kannte bisher nur die Klassiker an Sehenswürdigkeiten.

Du kannst Annette auch als Reiseführerin durch Rom buchen. Bei Interesse schaue doch mal auf ihrer Webseite vorbei.

Und wie steht es mit dir? Kanntest du diese Sehenswürdigkeiten abseits der Touristenpfade?

Hinterlasse doch gerne einen Kommentar!

 

 

Liebe Grüße

 

Katrin & Gast Annett (Fotos und Text von Annett)

 

 

- 26. Dezember 2020 -

Kommentare: 3
  • #3

    Miriam von Nordkap nach Südkap (Dienstag, 12 Januar 2021 18:03)

    Liebe Katrin,
    Das ist ein toller Text - und obwohl ich erst einmal in Rom war und damit keine Expertin bin, habe ich sogar zwei Dinge auf der Liste auch gesehen. Bei der Pyramide hab ich mich tatsächlich gefragt, was es damit auf sich hat, als ich eher zufällig daran vorbei gekommen bin. Das ist auf jeden Fall ein Hingucker. Und der Blick vom "8. Hügel" ist wirklich toll, kann ich auch nur empfehlen.
    Liebe Grüße von Miriam von www.nordkap-nach-suedkap.de

  • #2

    Lisa von Travellerin (Donnerstag, 07 Januar 2021 21:55)

    Liebe Katrin,
    die kleinen Anekdoten sind ja schön! "Ein Herz und eine Krone“ sollte ich mir mal angucken. Meine Hand hatte ich da aber auch schon einmal reingesteckt �
    Viele Grüße Lisa

  • #1

    Ute (Mittwoch, 06 Januar 2021 13:55)

    Echt toller Artikel und so schöne Fotos. Die Tipps sind super, besonders wenn man sich länger in dieser Stadt aufhält oder ein 2. Mal Rom besucht.
    Danke und liebe Grüße von
    Ute reist